Wolkentor ZEN-Tempel
   ....." aus der Stille kommt die Kraft "......


Zen zu üben bedeutet, in der Gegenwart zu bleiben. Mit dem Körper sitzen - nicht mit einer Vorstellung davon sitzen, was Meditation ist und was es zu erreichen gäbe. Nur Sitzen!

Wenn irgend etwas im Geist auftaucht, gehen wir konzentriert zur Beobachtung des Atems zurück.Das ist schwierig, weil wir gewohnt sind, alles, was in und um uns vorgeht, zu kommentieren und zu bewerten. Wir glauben zudem, dass diese Art des kommentierenden, fühlenden und bewertenden Wahrnehmens unser Wesen ausmacht.

Genau genommen verlassen wir in der Meditation das scheinbar sichere Refugium unserer Vorstellung von uns selbst.

Das wird nicht ohne Widerstände geschehen. Wenn es leicht wäre, bräuchten wir die Übung der Meditation nicht.

Gerade am Anfang kann Meditation mühsam sein. Der Rücken schmerzt, die Knie schmerzen, die Gedanken schweifen ab. Es kommt einem vielleicht sinnlos und merkwürdig vor, sich dem auszusetzen.

... was ich dazu eigentlich sagen wollte, ist ... es lohnt sich.

Wenn wir eine Zeitlang meditieren und unseren Geist beruhigen, machen wir die Erfahrung, dass die zunehmende Stille in uns beglückend ist.

Selbst ohne Meditationserfahrung bemerken wir in manchen Momenten, wie wunderbar ein ruhiger Geist sein kann. In der Meditation kehren wir immer wieder zu diesem ruhigen Geist zurück und werden mit dieser Erfahrung stärker für das Leben.

Herzlichen Gruß,- Willy (20.11.2018)


Hallo zusammen,
 
am Donnerstag haben wir über die Koan-Gruppen gesprochen.
 Hintergründe dazu findet ihr auf der entspr. Wiki-Seite:
 https://de.wikipedia.org/wiki/K%C5%8Dan
 
Wir haben über die ersten vier Koan-Gruppen gesprochen. Die fünfte nehmen wir uns beim nächsten Termin vor.
 Wichtig war mir zu betonen, dass die Übung des Zen immer weiter geht. Über jede Erfahrung, die wir in der Meditation machen - und sei sie noch so tief und besonders - müssen wir hinausgehen. 
 Loslassen ist der Kern der Zen-Praxis. Nicht nur das loslassen, was wir los werden wollen. Sondern das Erreichte loslassen - immer wieder darüber hinaus gehen!
 Unsere unbewussten Prägungen sind so tief in Körper und Geist verankert, dass wir immer wieder neu beginnen müssen, wenn wir nicht eines Tages in spiritueller Verblödung enden wollen.
 Das ist anstrengend und erfordert unsere ganze Energie. Doch wenn wir nicht anhanften und mit dem Leben in Bewegung sind, dann können wir glücklich sein!
 Die Übung mit Koan unterstützt uns auf diesem Weg, indem sie uns immer wieder herausfordert und uns anregt, neue Perspektiven einzunehmen. 
 Die Antwort des Lehrers, wenn ein Koan gelöst ist, lautet: nächstes Koan. 
 Seid nicht stolz auf eure Erkenntnis, macht weiter, habt Freude. 
 Die Koan-Schulung mag irgendwann abgeschlossen sein. Der Zen-Weg kann ein Leben lang gegangen werden. Es gibt kein Ende, ... und dass ist wunderbar. 
 

Weiteres dazu wie gesagt beim nächsten Treffen. (Taiwa mit Willy = Gesprächskreis der Alltagsgeist ZEN-Gruppe, Januar 2019)



Eine der ersten wichtigen Erfahrungen mit Zen-Meditation war für mich folgende:

Ich saß während eines Sesshin bei einem sehr strengen Meditationslehrer im Zazen - ich hatte starke Schmerzen in den Knien und auch der Hintern hing schmerzvoll auf dem Kissen. ... sich bewegen war keine Option. Jede Faser meines Körpers sehnte das Ende der Meditation herbei, meine Gedanken kreisten, in mir tobte es .... 

Doch dann war der Geist plötzlich still. Als Folge der stundenlagen Anstrengung konnte ich in der Stille bleiben. 

Ich war Anfang 20 und bis dahin war das, was passierte und meine Reaktion in unmittelbarer Abängikeit.

Nun saß ich da und betrachtete in innerer Stille diese unangenehme Situation. 

Das hat mich erstaunt.

... die Konzentration hielt nur kurz ...  die Runde wurde abgeklingelt und ich war heilfroh, dass sie 'rum war.

Nach und nach bin ich tiefer in die Meditation eingedrungen. Nie ging es mir um stoisches Ertragen.

Eher um intensives Üben. Die Praxis des Zen besteht darin, in den vielen kleinen und großen Begebenheiten des Alltags unsere Achtsamkeit zu schulen. 

Länger in der Stille der Meditation zu sitzen und sich nicht auf angenehm oder unangenehm einzulassen ist deshalb heilsam, weil es die Fähigkeit zur Achtsamkeit stärkt. Achtsamkeit ist klares, gegenwärtiges Bewusstsein ohne ständige Bewertung und Einordnung.

Unsere Gedanken werden ruhiger, ihr permanentes Reagieren und Kreisen wird weniger dringlich. Dadurch wird unsere Wahrnehmung direkter. 


Willy Kerntopp (Auszug vom Vortrag Mai 2019)


Interview vom Juli 2019

Momentan wird ein Film über ZEN von Torsten Schäfer (Blue Prints) hergestellt.

9 verschiedenen Meistern werden 9 gleiche Fragen gestellt. Hier das Interview vom Juli 19, dass in den späteren Film sehr verkürtzt eingebracht wird.

https://m.youtube.com/watch?feature=youtu.be&v=bUqBrdsNb3g



09.10.2019 Auseinandersetzung mit "Samurai-Zen" und Nachtrag zum 4-Tage-Herbst-Sesshin

von Willy:


Im Zusammenhang mit einem Workshop vor drei Wochen, den ich zum Thema Meditation zur Stressbewältigung für Projektmanager gehalten habe, habe ich wieder einmal über Leadership-Zen, Samurai-Zen usw. nachgedacht. Im Ergebnis habe ich mich im Workshop nicht mit Erfolgsstrategien auseinandergesetzt, sondern eine praktische Einführung in den Meditation gegeben und mit den Teilnehmern besprochen / erarbeitet, wie uns Meditation verändern kann. Klar geht es auch um Resilienz und persönliche Stärke. Die Betonung liegt aber auf anderen Dingen.
 
Ich sage es oft: der Kern des Zen ist nicht die Disziplin und Strenge, die wir teilweise in der Schulung nutzen. Der Kern des Zen ist das Herz. Das bedeutet, das wir als Zen Schüler die Verpflichtung haben, uns zu entwickeln, der Frage nachzugehen, was das Leben eigentlich bedeutet - warum sind wir da. Auch berufliche Zusammenhänge bilden ein Umfeld, in dem wir uns persönlich entwickeln sollen (wie überall sonst auch). Es geht nicht darum, zu gewinnen, sondern geistig beweglich zu sein und eine freundliche, unterstützende Haltung zu entwickeln.
 
Ich bin überzeugt, dass man damit im Job erfolgreicher sein kann. Das ist aber sekundär. 
 
Wir hatten auf dieser Basis einen sehr guten Workshop, aus dem die Teilnehmer viel mitnehmen konnten.
 
In diesem Zusammenhang habe ich mich gefragt, warum es viele Angebote zum Thema Leadership-Zen gibt. Warum gibt es kaum sichtbare Angebote wie: "Zen für Pflegekräfte", "Zen für Psychologen", "Zen für Arbeitssuchende" ....
 
Kurz gesagt, ich glaube, es gibt dafür  zwei plausible Gründe:
 
1. Grund: Ein Teil der Zen-Schulung in der Geschichte Japans hat sich im Zusammenhang mit der Kultur der Samurai mit der Ausbildung einer Elite beschäftigt. Ende des 19 Jhd. hat diese Kultur zusätzliche Aufmerksamkeit erfahren - insbesondere auch im Westen. Nachdem die Samurai Ende des 19. Jahrhunderts bereits ihrer Privilegien beraubt waren, entstand eine gewisse Mythisierung der Vergangenheit. Das Buch Bushido: The Soul of Japan (in English erschienen1899) und auch die Bücher von D.T. Suzuki haben unter anderem dazu beigetragen. Diese Perspektive macht Zen als Basis für Fürhungskräfte-Schulungen durchaus geeignet, zumal sich Grundsätze des Kampfes gut übertragen und nutzen lassen.
 
Ich denke man sollte der Verbindung von persönlichem, gesellschaftlichem und militärischem Ethos sehr  kritisch gegenüberstehen. In der weiteren Entwicklung in Japan und besonders auch im Westen sind dann ja auch Praxiswege entstanden, die die persönliche Entwicklung des Übenden und  eine Offenheit gegenüber gesellschaftlichen Entwicklungen fördern ... dazu ein anderes Mal mehr. 
 
2. Grund: Geld - Leute, die Leadership-Zen nachfragen haben mehr Kohle für diese Dinge zur Verfügung.
 
Kurz dann noch zu unserem Herbst-Sesshin.
 
Das Herbstshesshin vom 3. bis 6. Oktober war sehr intensiv und auch berührend. Das Motto, das für mich im Vordergrund stand und auch Gegenstand meiner Vorträge war lautete: "Vertrauen in den Geist".
 
Wecken war um 5:00 Uhr - Beginn der Meditation um 5:30 Uhr und die letzte Meditation endete um 22:00 Uhr. Ein langer Tag mit wenigen Pausen - eine ziemliche Herausforderung für die Teilnehmer. 
 
Es waren 4 Leute dabei, die keine Zen-Erfahrung hatten. Mich hat begeistert, wie intensiv sie sich (jeder auf seine Art) in die Übung eingebracht haben.
 
Die Entwicklung, die alle während des Sesshin genommen haben, hat mir wieder die Wirksamkeit dessen gezeigt, was wir tun. Nach meinem Gefühl entwickelt sich Zen im Westen zu einer authentischen Praxis, die wir so nutzen, wie es unserer Kultur und Mentalität gerecht wird. Dirk und ich versuchen, dazu beitzutragen und haben viel Freude dabei. 

Willy Kerntopp im Oktober 2019