*Kloster auf Zeit*
 


..erleuchteter Dezember im Wolkentor..

Anfang Dezember findet eigentlich jedes Jahr das wichtigste 7- Sesshin ("Erleuchtungs-Rohatsu") im Wolkentor statt. Leider können wir in diesem Jahr aufgrund der aktuellen Gesetze keine mehrtägigen Aufenthalte anbieten.

Offen ist das Wolkentor aber auch weiterhin täglich von 08.00-09.00 Uhr u. Donnerstag-Abend von 19.30- 21.30 Uhr zum Zazen> "Sitzen in Stille". (Bitte achtet auf die gängigen Abstands und Hygiene-Regeln. Der Abend findet im Rahmen der gültigen "Religionsausübung" mit sehr begrenzter Teilnehmerzahl statt und ist nur nach Anmeldung möglich)

Das Wolkentor schließt dann, wie jedes Jahr mit der Sonnenwende und einer kleinen Feuer-Zeremonie am 21.12.20 und öffnet im neuen Jahr wieder am 11.01.20. Das alljährliche Sonnenwendfeuer (in der Hütte) entfällt. Dafür gibt es im Freien eine kleine Feuerzeremonie in ganz kleiner Runde nach Anmeldung.

"Keine Arbeit- Kein Essen"  ZEN-Meister Hyakujo Ekai, China im 8. Jhd.

Wir bauen unsere Kooperation mit der Biogärtnerei "Amselhof" weiter aus.

Die täglichen Mahlzeiten und Seminarverpflegungen erhalten wir seit Jahren, direkt vom Feld aus dem kleinen, 10 Kilometer entferneten Örtchen Dobritz am Fuße des Petersberges.

Als Ausgleich für die wöchentlich, gespendete, große Gemüsekiste, widmen wir uns regelmäßig der  Hof,- und Feldarbeit auf dem Amselhof.

http://www.amselhof.net/



"Befreiung durch Leerheit"

Auszüge aus Vorträgen aus dem Jahr 1998 von Wolf D.Nolting, -Dharmanachfolger von Saidan Oi Rodaishi)

Zur Mahyamaka-Philosophie und ihrer Bedeutung im Zen


"Madhyamaka ist eine reine Technik, alle Anschauungen, unabhängig davon, ob sie falsch oder richtig sind, zurückzuweisen und zu widerlegen, um einen wertfreien, objektiven Blick auf die Warheit werfen zu können. Alle festgelegten Anschauungen und Glaubensvorstellungen werden als hinderlich entlarvt, nicht als falsch, als hinderlich. Alle Auffassungen innerhalb der Lehre des Buddha sind nichts anderes als Hilfsmittel. Sie drücken keine eigene Anschauung aus, die sich gegen irgendeine andere richtet, sondern sie verfolgen eben nur den genannten Zweck. Sie sind ganz und gar pragmatisch. Zen und Madhayamaka sind höchst alltagsbezogen und praktisch, sie sind nichts für den Elfenbeinturm, selbst wenn das zunächst so klingen mag, weil es eben philosophisch formuliert ist.

Beides will uns helfen, unsere Sicherheit suggerierenden Haltepfosten, die wir ständig einschlagen, ausfindig zu machen und diese zu vernichten.

Jeden Tag suchen wir  wieder diese Haltepfosten auf. Rinzai sagt: "Du versuchst einen Pfosten ins Universum zu treiben."- als ein Mönch ihn nach seiner Dharma-Legitimation fragte. Der Mönch sucht nach Sicherheit wie wir alle. Und Rinzai zeigt ihm nicht daraufhin seine Dharma-Urkunde und rechtfertigt sich, sondern er sagt- du versuchst einen Pfosten einzuschlagen, wo es keinen gibt.

Alles woran wir haften, alles, was wir verabsolutieren, womit wir uns identifizieren, wird zur Fessel des Leidens für uns werden. Restlos alles! Auch wenn es noch so heilig aussieht.

Dieses Studium der rein destruktiven Madhyamaka-Philosophie, sagte Roshi, dient ausschließlich dem Zweck unsere Haltung des Nicht-mehr-Verhaftetseins, des Nicht-mehr-Ergreifen-Wollens zu verstärken. Sie ist keine intelektuelle Spielerei. Roshi erwähnte dabei das Koan Mumonkan-Nr. 6 (die Blumenpredigt). Das ist reines Madhyamaka. Da wird eine Blume gehoben. Wirklichkeit wird nicht definiert. Zen sucht nicht nach einer letztgültigen Wahrheit, sondern findet Rechtfertigungen in einem sehr pragmatischen Zweck, nämlich den Wunsch, diesen gegenwärtigen Augenblick ohne Spuren vorbeigehen zu lassen.


Buch-Empfehlung

Fazit von Meister Sokai-an aus dem Buch: "Man sieht nur in der Stille klar"

Sokai-an war japanischer Rinzai-Mönch, der 1930 in New York City die Buddhist Society of America gründete (geb. 1882- gest.1945)

 

Wir müssen etwas haben, das echt und ursprünglich ist. Etwas, das aus uns selbst heraus entsteht.
Es ist nicht Buddhismus und nicht Zen.

 

Als ich Buddhismus studieren begann und mein erstes Koan bekam, erschienen mir Buddhismus und Zen unendlich erhaben und wichtig. Damals war ich einundzwanzig Jahre alt, jetzt bin ich achtundfünfzig.

Die Welt hat sich verändert. Die Erde ist nicht zum Himmel geworden und der Himmel ist nicht zur Erde hinunter gekommen. Ich habe nicht den Zustand eines Halbgotts erreicht. Ich bin immer noch ein Mensch. Also, was ist der Vorteil von Buddhismus und Zen?

Als der Buddha im Sterben lag, bat ihn Ananda, noch einmal alle Schüler zu versammeln und ein letztes Mal zu ihnen zu sprechen. Darauf antwortete der Buddha: „Wozu? Ich habe euch alle meine Gedanken gezeigt, habe den ganzen inneren Weg, den ich durchlaufen habe, erklärt.
Einmal über meine Erfahrungen zu sprechen ist genug. Denn wer dies nicht selbst erfahren hat, ist für solche Worte taub.
Ich übte Klarsicht und habe sie erlangt. Jeder muß dies selber tun. Die Worte, die man verstehen kann, habe ich schon gesagt, warum sie wiederholen? Warum eure Zeit verschwenden?
Wer die Erfahrung hat, versteht. Nutzt eure Zeit zum Praktizieren und macht eure eigenen Erfahrung.“

Ich muss gestehen, heutzutage erfreue ich mich an meinem eigenen Geist mehr als an Buddhismus und Zen.

Buddhismus und Zen sind bloss wie zwei alte Möbelstücke in einer Ecke meines Geistes.
Ich fand etwas, das mir selbst gehört. Es ist nicht Buddhismus und nicht Zen, nicht Philosophie,
nicht Wissenschaft, nicht Religion. Die Aussenwelt ist nicht mehr dunkel und die Innenwelt ist klar.
Das, was zählt ist das Herz. Doch das ist ein Geschenk des Zen-Buddhismus, deshalb empfinde ich grosse Wetschätzung.und Dankbarkeit dafür.
Es dauerte lange Zeit, bis ich es fand, und in dieser Zeit waren mir Buddhismus und Zen eine schwere Last.
Heutzutage spreche ich über Buddhismus und Zen in Vorträgen, aber wenn ich alleine bin, denke ich nicht darüber nach.
Ich erfreue mich an etwas, das keinen Namen hat, aber sehr natürlich ist. Es ist wunderbar.
Jemand hat mich in die Ferien aufs Land eingeladen, doch ich lehnte ab. Ich verweile lieber hier und lebe in meinem eigenen klaren Geist.
Was meine Vortäge anbetrifft: Dass ich hier an dieser kleinen Strassenecke solch grosse Worte sage, ist unerheblich- aber sie sind wahr! Wenn die Zeit kommt, vielleicht in zweihundert Jahren, wird jemand dasselbe sagen, un dann werden auch eure Staatsmänner und Pfarrer zuhören

  

ZEN- Wochenende im Wolkentor mit Muho aus Japan 

vom 20.-22.08.2021 

"ZEN reloaded"
>>alte Traditionen für den Westen sinnvoll reformiert<<

Muhō war von 2002-2020 Kloster Antaijis in Japan neunter Abt. Er wurde 1968 in Berlin geboren und wuchs in Braunschweig und Tübingen auf. Mit 16 Jahren kam er mit Zazen in Kontakt und hatte bald den Wunsch, später in Japan als Zenmönch zu leben. Er studierte Japanologie, Philosophie und Physik in Berlin und für ein Jahr auch an der Universität Kyōto. Zu dieser Zeit, mit 22 Jahren, besuchte er auch zum ersten Mal das Kloster Antaiji und verbrachte dort 6 Monate.

Mit 25 Jahren, nach dem Abschluss der Universität, ordinierte Muhō in Antaiji und wurde so zum Schüler des damaligen Abtes, Miyaura Shinyū Rōshi. Außer in Antaiji verbrachte Muhō auch jeweils ein Jahr in dem Rinzai-Kloster Tōfukuji in Kyōto und Hosshinji in Obama, einem Priesterseminar der Sōtō-Schule. Nach Abschluss seiner Ausbildung in Antaiji erhielt Muhō die Übertragung des Dharma (Shihō) von seinem Meister Miyaura und wurde damit als eigenständiger Meister der Sōtō-Schule anerkannt.

Daraufhin beschloss er, als Obdachloser im Schlosspark von Ōsaka zu leben, wo er für ein halbes Jahr ein Zengruppe leitete, bis ihn die Nachricht vom Tod seines Meisters im Februar 2002 erreichte. Im Frühjahr 2002  wurde Muhō als Nachfolger seines Meister zum neunten Abt von Antaiji berufen.Neben zahlreichen Dokumentationen über das Antaiji, wurde 2016 der Kinofilm "ZEN for Nothing"  veröffentlicht. Muhō ist der Autor zahlreicher ZEN-Bücher und ist momentan über einen Youtube-Channel von Osaka in Japan aktiv und leitet dort auch eine  Zengruppe.

Infos & Anmeldung

Anreise am Freitag von 15.00 Uhr- 17.00 Uhr; Abreise Sonntag bis 14.00 Uhr

Das Sesshin ist auf 30 Personen begrenzt. Anmeldung über das Kontaktformular

Mitzubringen wäre ein Schlafsack für die Übernachtung in Mehrbettzimmern (Frauen/Männer getrennt). Idealerweise ein eigenes Sitzkissen und ggf. Zoris (Tatami-Sandalen, auch für 10€ vor Ort erhältlich). Bitte dunkle Kleidung tragen.

Die Sesshingebühr beträgt (inkl. Übernachtungen, 6 Mahlzeiten und Beitrag für Muho) : 245,00 € und wird als selbstständige Spende in die Box vor Ort entrichtet. Der größte Teil der Einnahmen wird als Dana für Muho breitgestellt. 

Tagesplan

Freitag

18.00 Uhr Einführung und Zazen (je 30 Minuten Zazen Runden)
19.30 Abendessen
20.30 Zazen und Vortrag
21.30 Rezitation
22.00 Zazen
22.30 Pause (Vorbereitung zur Nachtruhe)
23.00 Yaza (Zazen bei Kerzenlicht)
00.00 Nachtruhe

Samstag

04.00 Wecken
04.30 Rezitation & Zazen
06.00 Dokusan & Zazen
07.30 Frühstück & Aufräumen
08.45 Zazen
09.30 Vortrag
10.30 Pause
11.00 Zazen
12.30 Mittagessen & Pause
14.00  Zazen
16.00 Dokusan & Zazen
17.30 Abendessen & Pause
19.00 Zazen 
20.00 Dokusan & Zazen
21.30 Rezitation
22.00 Zazen
22.30 Pause (Vorbereitung zur Nachtruhe)
23.00 Yaza (Zazen bei Kerzenlicht)
00.00 Nachtruhe

Sonntag

04.00 Wecken
04.30 Rezitation & Zazen
06.00 Dokusan & Zazen
07.30 Frühstück & Aufräumen
08.45 Zazen
09.30 Vortrag (Fragen & Antworten)
11.00 Pause
11.30 Zazen & Schlussworte
12.00 Mittagessen & Abreise

An diesem Wochenende wird es in den Vorträgen von Muho darum gehen, beide ZEN-Traditionen (Soto & Rinzai) zu reflektieren: Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Praxis zu thematisieren bzw. auch Missverständnisse in der Auslegung beider aufzudecken, um im Idealfall Impulse für ein "ZEN des Westens" zu streuen. Das Dokusan werden Muho & Ryu gemeinsam als 6-Augen-Begegnung anbieten. 

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