Wolkentor
-ZEN-Tempel-

Kloster auf Zeit *

  • Mindestaufenthalt 3 Monate
  • Voraussetzung: vorherige Teilnahme an mind. einem Sesshin im Wolkentor
  • Unterbringung und Verpflegung kostenfrei
  • Anmeldung und weitere Infos über das Kontakt-Formular


ZEN wird oft als Praxis des "Loslassens" bezeichnet,- der "Eins-Werdung" im "Hier & Jetzt". 

Letztendlich zielt die Praxis des Zen auf das Sterben. Vordergründig ist damit wohl nicht das körperliche Sterben in einer fernen, unabsehbaren Zukunft gemeint, obwohl auch dies eine große Motivation für die Zen-Praxis frei setzt, sondern das Aufhören der inneren, persönlichen Kämpfe, die durch dualistische Interpretationen und Wertemaßstäbe immer wieder abgespult werden und das eigene Maß an Unzufriedenheit nähren. Die Befreiung von dieser Unzufriedenheit (Leiden) nimmt ab, je mehr wir von dem Magnetismus der inneren Dialoge und den daraus resultierenden Handlungen Abstand nehmen und erkennen, dass ein "offener, lebendiger, geistiger, unauslotbarer Raum" erlebbar wird, der sich dann wiederum in Gedanken, Sprache und Taten ausdrückt. Diese "Neutralisation" die im Zen oft als Erleuchtung benannt wird, bezeichnete der Zen-Meister Dogen im 12. Jhd. mit: " Körper und Geist" sind abgefallen. Meister Rinzai im 9 Jhd. spricht vom: " wahren Menschen,- ohne Rang und Namen..".

ZEN als Praxis-Weg, der historisch über 2600 Jahre dokumentiert und ausgelegt wird, ist keine Metapher, Religion, Weltanschauung oder esoterisches Konzept, sondern lädt ein, dieses fundamental,-zeitlose, von Form,- unabhängige Gewahrsein im persönlichen Leben zu verwirklichen. Dieses Verwirklichen wiederum geschieht durch die ausschließliche Ausrichtung im scheinbar "Profanen",- im alltäglichen Handeln.

Das oben zusammengefasste mag sehr komplex klingen, äußert sich aber in der Praxis im Wolkentor sehr konkret und direkt.


* Am deutlichsten bringt die Praxis im Wolkentor,- ein Bericht eines ehemaligen Langzeitbewohners auf den Punkt:

über meinen Aufenthalt im Wolkentor -
- Fazit von Robin-  

Ich möchte die Eindrücke meines Aufenthaltes mit anderen Praktizierenden, Interessierten teilen und wesentliche, praktische und persönliche Aspekte des Alltags im Wolkentor aus meiner Sicht darstellen.

Vielleicht macht es ja den einen oder anderen neugierig und hilft denen, die sich entscheiden herzukommen.
Wenn morgens um 4:20 Uhr der Wecker klingelt, brach anfangs jedes Mal meine Welt zusammen.
Die erste Krise ist überwunden, wenn es um Punkt 5 zum Zazen geht. Der Kampf gegen die Müdigkeit wird noch einige Stunden dauern und bis zum Abend nie ganz abklingen. Dennoch ist höchste Wachsamkeit gefragt. Bei dem sehr durchstrukturierten Tagesplan fällt jeder blinde Fleck in der eigenen Wahrnehmung auf.
Ständig darauf hingewiesen zu werden, was man vergessen hat, mag am Anfang nerven und es fällt auf, dass einige herkommen und denken, es ginge nur um Zazen (Sitzmeditation).
Es mag anfangs schwerfallen, auch die Tätigkeiten und die Rituale ernst zu nehmen; neben der vollen Konzentration auf die Verrichtung die wir gerade ausführen, lernen wir so aber auch, nicht nur einspitzig fokussiert zu sein, sondern auch für die Umstände in denen wir leben wach zu sein und Rücksicht auf die Anderen zu nehmen.
Zazen ist der eine Aspekt der Übung, der die Achse für den restlichen Alltag darstellt.
Den Anderen Frühstück zu machen und die Toiletten zu putzen ist genauso wichtig. Seinen Geist zu reinigen bedeutet, keine Spuren zu hinterlassen. Keine Spuren zu hinterlassen bedeutet, seinen Dreck wegzumachen und für die Anderen da zu sein.
Am Anfang mag die Strenge im Zen, der Rituale und des Tagesplans autoritär wirken. Je mehr man sich hingibt und je mehr das gegenseitige Vertrauen wächst wird aber klar, dass gerade durch die klare Form Harmonie in der Gruppe (Sangha) entstehen kann. Je weniger egoistische Absichten herrschen, desto weniger Reibung gibt es und desto mehr Früchte kann die Praxis tragen. Wenn alle am gleichen Strang ziehen, ist da keine Spur mehr von Strenge.
Dann praktiziert sich die Zen-Praxis ganz von selbst und es gibt niemanden mehr der etwas erlitte oder aushalten muss.
Dann ist in der Schnelligkeit keine Hektik mehr, in der Gründlichkeit kein Druck, in der gegenseitigen Ermahnung keine Bosheit.
Darum geht es:
Die Kraft der Zen-Übung in den Alltag fließen zu lassen und den ganzen Alltag zur Praxis werden zu lassen.
Durch das frühe Aufstehen begegnen wir dem Tag auf Augenhöhe und lassen uns nicht von der Dämmerung überrollen.
Wir sind den Anforderungen gewachsen, ohne überlegen sein zu wollen.
Das hier ist kein mystischer Ort. Die Alltäglichkeit ist nicht zu umgehen.
Du schleppst dich selbst herum und leidest an deinen Gedanken, bis du dich selbst ganz vergisst und von den Aufgaben "gezogen" wirst. Dann tut man was zu tun ist.
Auf einmal wird sogar das Aufstehen zur Freude.
Man fühlt sich vom täglichen Ablauf nicht mehr versklavt und flüchtet sich nicht mehr in Trägheit und schielt nicht nach den Pausen.
In der Tätigkeit ganz aufzugehen und nach nichts Anderem zu suchen ist sehr befreiend. Wenn wir unsere persönlichen Interessen mal für einen Augenblick fahren lassen, ist der Alltag keine Last mehr. Trotz der routinierten Abläufe und den permanenten Wiederholungen war bisher kein Tag wie der andere.
Es begann mit einem Sesshin,- einer mehrtägigen, intensiven Zeit. Die verschiedenen Leute die kommen, die Färbungen die sie mitbringen bis sie wieder gehen. Und dann ist da noch das eigene Innenleben, das sich unentwegt verändert.
Alle Krisen die wir hier durchleben sind nur Gedanken im Kopf, Glück und Unglück nur Zustände die kommen und gehen.
Unsere Übung besteht darin, sich von den Wechselfällen der Welt nicht verrückt machen zu lassen und immer angemessen auf jede Situation zu reagieren. Nicht mehr in Zwiespälten befangen zu sein und immer entschlossen einen Schritt voran zu gehen.
Freiheit fängt im Kopf an. Aber sie muss mit dem Körper geübt werden.
Der Geist muss durch und mit dem Körper befreit werden. Ein freier Körper allein macht noch keinen freien Geist.
Die letzten 6 Jahre war ich permanent auf Reisen. Irgendwann musste ich aber einsehen, dass äußerliche Freiheit allein mich noch nicht wirklich frei macht. Egal was ich tat; ich verrannte mich immer wieder in Konzepten, Verhaltensmustern und enttäuschten Erwartungen. Dauerhafte Zufriedenheit fand ich an keinem Ort der Welt und in keinem noch so berauschenden Zustand. Auch alleine Zazen zu üben war irgendwann nicht mehr genug.
So entschied ich mich dafür, mit dem Aufenthalt im Wolkentor, für neue Impulse offen zu sein und vor allem "Ballast abwerfen"  zu können. In unseren vermeintlich freien Entscheidungen im Alltag schaffen in der Regel nur alte Reaktionsmuster permanent neue Situationen, von denen wir uns Befriedigung erhoffen.
Das nennen wir dann Freiheit.
Im Kloster lernen wir, von uns selbst einmal ganz absehen zu können. Wir wachen auf aus unserer passiven Haltung und strampeln uns nicht mehr wie Bekloppte auf der Suche nach etwas ab.
Erlauben wir unseren Gewohnheiten ins Leere zu laufen, können wir unsere echte Spontanität und Unbefangenheit entdecken. Dann sind wir wirklich frei, im Sitzen, beim Essen, im Arbeiten.
Daher möchte ich mit einem Zitat von Dirk abschließen:
"Oft wird gefragt, warum wir so viel Zazen machen. Es gibt keinen Grund. Wir sitzen für die Freiheit."